Immer mehr Chefärzte erhalten Bonuszahlungen
06.02.2012 18:22
Eine Meldung der zm-online-Redaktion:
Immer mehr Chefärzte erhalten nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" Verträge mit einem Grundgehalt und einer Bonuszahlung für das Erreichen finanzieller Ziele: Von 1995 bis heute sei die Vereinbarung von Bonusleistungen von fünf auf inzwischen fast 45 Prozent der Neuverträge gestiegen.
Die Zeitung beruft sich auf eine Untersuchung des Experten Christian Näser von der Unternehmensberatung Kienbaum. Vielen Medizinern ist die Entwicklung unangenehm. Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, betrachtet sie mit großer Sorge. "Mit diesen Verträgen zählt nicht mehr der medizinische Erfolg der Chefärzte, sondern der ökonomische", sagte er der Zeitung.
Sie setzten Anreize, zum Beispiel freiwerdende Arztstellen nicht mehr zu besetzen, wodurch sich die Behandlung der Patienten potenziell verschlechtere. Das gesparte Geld sichere dem Chefarzt aber die Bonuszahlung. "Das ist unethisch", sagte Jonitz. "Wenn ich ins Krankenhaus gehe, will ich, dass der Arzt nur mich und meine Krankheit im Blick hat."
Durchschnittseinkommen von 266.000 Euro pro Jahr
Der Marburger Bund bezeichnete die Boni in dem Bericht als "höchst problematisch". Und der Vorsitzende des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Wulf Dietrich, warnte: "Eine solche Koppelung kann dazu führen, dass unnötige Leistungen erbracht werden oder aber teure oder risikoreiche Interventionen unterbleiben."
Für die Einkommen der Ärzte haben die Bonuszahlungen an Bedeutung gewonnen, sagte Gehaltsexperte Näser. Denn als es die Bonuszahlungen noch nicht gab, hätten die Chefärzte insgesamt besser verdient. Hintergrund: Damals konnten sie Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten zu ihren Gunsten abrechnen. Die Differenz zwischen alten und neuen Gehälter sei enorm: "Der Einkommensabschlag kann im Extremfall bis zu 100.000 Euro betragen", erklärte Näser. Für die Krankenhausleitungen seien die Bonuszahlungen von erheblicher Bedeutung.
Bei 266.000 Euro lagen die durchschnittlichen Bezüge der Chefärzte im vergangenen Jahr laut Kienbaum-Studie. Ein kaufmännischer Geschäftsführer im Krankenhaus verdiente im Schnitt deutlich weniger, nämlich 156.000 Euro. mg/dpa
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